Burkina Faso: Solidarität, Dschihad und eine handyfreie Konferenz

Shownotes

missio-Präsident Monsignore Wolfgang Huber war in Burkina Faso – zu einem Solidaritätsbesuch. Denn in den letzten Jahren hat sich die Lage im Land aufgrund dschihadistischer Anschläge stark verschlechtert. Die Militärregierung versucht, die Situation in den Griff zu bekommen – mit den Methoden, die Militärregierungen zur Verfügung stehen. Die Kirche bleibt auch in diesen Zeiten an der Seite der Armen und unterstützt dort, wo der Staat nicht mehr funktioniert. Das ist allerdings nicht ganz ungefährlich, wie er auf der dortigen Bischofskonferenz erfahren hat, bei der alle Teilnehmer ihr Handy abgeben mussten, damit keine Aufnahmen nach draußen dringen konnten. Mit im Studio ist auch missio-Redakteur Christian Selbherr, der das Land von mehreren früheren Besuchen kennt und die Veränderungen kommentiert.

Die Folge, auf die wir uns im Gespräch immer wieder beziehen ist die Nummer 6, Burkina Faso – Das „Land der aufrechten Menschen“.

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00:00:00:

00:00:04: Reisewarnung mit Missio München unterwegs in Afrika,

00:00:07: Asien

00:00:08: und Ozeanien.

00:00:13: Ein

00:00:13: gutes neues Jahr wünschen wir.

00:00:15: Also das ganze Reisewarnung-Team wünscht's euch.

00:00:18: Heute vertreten durch den Missiopräsidenten Monsignore Wolfgang Hooper.

00:00:22: Herzlich willkommen.

00:00:23: Schön, dass sich da sein darf.

00:00:25: Und mit dabei ist auch Missioredaktor Christian Selper.

00:00:29: Hallo alle miteinander.

00:00:30: Wir freuen uns, dass wir in ein weiteres Jahr mit unserem Podcast gehen dürfen.

00:00:35: Es möge uns ein spannendes und erfolgreiches neues Jahr erwarten.

00:00:40: Und wir reisen heute auch in ein Land, in das wirklich wenige Menschen der Zeit reisen, nämlich nach Burkina Faso.

00:00:49: Allerdings reisen wir nicht zum ersten Mal dorthin.

00:00:51: Ich habe nachgeschaut, es war die Folge Nummer sechs vom Februar, zwei Tausend, einundzwanzig, da hast du, Christian, von deinem bis dahin drei Reisen in dieses Land in Westafrika berichtet.

00:01:03: Weißt du noch, worum es ging?

00:01:05: Ja, vor allem ist es so, dass jetzt gerade, es ist sechs Jahre her, dass ich zum letzten Mal dort war, also auch im Januar und zwei im Jahr.

00:01:14: Besonders war, weil da ja gerade noch eine Reise möglich war, bevor uns die Corona-Pandemie heimgesucht hat.

00:01:21: und nicht nur wegen der Corona-Pandemie, sondern wegen allerlei politischer Umwälzungen in Westafrika und besonders im Landbalkina-Phaso hat sich in diesen fünf, sechs Jahren sehr, sehr viel ereignet.

00:01:32: Und deswegen bin ich selber heute sehr, sehr gespannt, weil unser Präsident Monsignore Huber eben frisch von einer Reise zurück ist dorthin.

00:01:41: Und ja, ich bin echt gespannt zu hören, wie hat sich das Land seitdem weiterentwickelt und wir haben ja auch Nachrichten verfolgt und Kontakte zu unseren Partnerinnen und Partnern vor Ort immer wieder gehalten, sodass wir heute glaube ich ganz gut beschreiben können, wie sieht es heutzutage in dem Land aus und was bewegt die Menschen dort.

00:01:59: Also ich freue mich auf eine spannende Sendung.

00:02:01: Ich mag trotzdem nochmal ganz kurz zurückgucken auf deine Folge damals, einfach um zu zeigen.

00:02:07: von was für einem eigentlich fantastischen Land wir hier reden.

00:02:10: Damals hast du berichtet von einer Baumwollfabrik, die mit nicht gentechnisch veränderten Fasern arbeitet.

00:02:19: Du hast berichtet von dem König von Garn, da ging es um das Verhältnis von traditionellen Religionen und dem Christentum.

00:02:25: Dann, im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr?

00:02:26: ist es im Jahr?

00:02:27: ist es im Jahr?

00:02:27: ist es im Jahr?

00:02:27: ist es im Jahr?

00:02:28: ist es im Jahr?

00:02:28: ist es im Jahr?

00:02:29: ist es im Jahr?

00:02:29: ist es im Jahr?

00:02:29: ist es im Jahr?

00:02:29: ist es im Jahr?

00:02:30: ist es im Jahr?

00:02:30: ist es im Jahr?

00:02:31: ist es im Jahr?

00:02:31: ist es im Jahr?

00:02:32: ist es im Jahr?

00:02:32: ist es im Jahr?

00:02:32: ist es im Jahr?

00:02:33: ist es im Jahr?

00:02:33: ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist es im Jahr ist.

00:02:39: Was mir übrigens auch, was wirklich eine Geschichte war, war der Herr Oedra Ogo.

00:02:43: Ich weiß nicht, ob die nicht entsinzt.

00:02:45: Der ist dreimal vorgekommen, weil der Herr Oedra Ogo war sowohl der Star Reporter, den du über den Weg laufen bist oder ein Moderator.

00:02:54: Das war auch dieser Mann im Innenhof.

00:02:57: Und ich weiß nicht, wer der Dritte war.

00:02:59: Der Kardinal,

00:02:59: der heißt auch Uedraugo.

00:03:01: Es gibt also sehr viele Namen Uedraugo in Burkina Faso.

00:03:05: Das ist ein bisschen so wie bei uns Huber.

00:03:08: Also wenn man mit Uedraugo unterwegs ist, kommt man dort ganz gut zu Rande.

00:03:12: Wir

00:03:12: hätten uns damals, glaube ich, auf den Müller geeinigt.

00:03:15: Deswegen habe ich auch herzhaft gelacht, als ich das letzte Fußball-Nationalmannschaftsspiel gesehen habe.

00:03:21: Weil Deutschland hat doch einen neuen Herrn Müller.

00:03:23: Ja, das stimmt inzwischen.

00:03:24: Jetzt fährt mir gerade der Vornamen nicht ein.

00:03:26: Assan.

00:03:26: Aber wie heißt er mit Vornamen?

00:03:28: Assan.

00:03:28: Assan

00:03:28: Uedra Ogo, der jetzt für die deutsche Nationalmannschaft spielt.

00:03:31: Der

00:03:31: Vater kommt aus Burkina Faso.

00:03:34: Ja, sehr schön.

00:03:34: Der hat gleich ein Tor erzielt.

00:03:37: Stimmt, das ging ja richtig fix, ne?

00:03:38: Ja.

00:03:39: Heute möchten wir uns aber vor allen Dingen um die politischen Veränderungen kümmern.

00:03:43: Der war Heiko Maas Außenminister und hatte Geld zugesagt für humanitäre Unterstützung.

00:03:49: Da gab es ein bisschen Aufmerksamkeit für die Region damals, weil dort eben Politiker hingereist sind, weil es eine internationale Abkommen gab.

00:03:57: Inzwischen hört man gar nichts mehr oder ich habe nichts mehr wahrgenommen.

00:04:00: Geht das nur mir so oder habe ich da irgendwie eine selektive Wahrnehmung?

00:04:04: Man nimmt praktisch Burkina Faso im Augenblick überhaupt nicht wahr.

00:04:07: Da haben sie vollkommen recht.

00:04:09: Das hängt natürlich auch zum einen mit der Lage dort zusammen.

00:04:13: Es ist kein Urlaubsland, auf gar keinen Fall.

00:04:16: Und hat auch sonst jetzt in dem Augenblick, wo es um die Frage der Rohstoffe geht, auch nicht so die Aufmerksamkeit, weil das eher doch kleinere Dinge sind, die von dort kommen.

00:04:29: Es hat vor allen Dingen dann auch noch einmal ein bisschen Aufmerksamkeit gehabt, weil es doch auch teilweise ein bisschen auf der Fluchtroute liegt.

00:04:38: die dann weiter nach Niger geht und dann nach Libyen, wo es dann hier zu uns hergeht, wo man überlegt hat, ob man dort vor Ort ein bisschen mehr investieren könnte, um die Fluchtmomente einzudämmen.

00:04:52: Sie sind jetzt in November dort gewesen.

00:04:54: Ja.

00:04:55: Was war jetzt genau der Anlass?

00:04:57: Also warum fährt man momentan nach Burkina Faso?

00:05:01: Eigentlich müsste man sagen, weil es eine Reisewarnung gibt.

00:05:05: Nein, also jetzt Spaß beiseite, es war letztendlich so, dass die... Bischofskonferenz gebeten hat, eben genau aus dem Grund, den Sie jetzt genannt haben, dass Burkina Faso und die Situation, die dort vor Ort herrscht, bei uns überhaupt nicht präsent ist und auch in den anderen Ländern nicht da ist, dann haben Sie gebeten, ob ich nicht bereit wäre, einen Solidaritätsbesuch zu machen, der vielleicht auch ein bisschen mithilft auf die Situation vor Ort aufmerksam zu machen, zu schauen, einfach einmal und zu sehen, was dort an Binnenflug... und einigen anderen Dingen momentan vonstatten geht.

00:05:42: Ich war das erste Mal im Jahr zwei

00:05:44: Tausendsechzehn dort und

00:05:45: dann zwei Tausendsebzehn noch einmal und da haben sich schon ganz gewaltige Dinge verändert.

00:05:51: Das muss man schon sagen.

00:05:52: Also zwei Tausendsebzehn war es ja auch das große Vorzeigeland der guten Zusammenarbeit zwischen Muslimen und Christen.

00:06:04: Damals noch Thema, in ganz vielen Podcasts, die wir gemacht haben, bzw.

00:06:08: in ganz vielen Begleitgeschichten zum Weltmissionssonntag, wo Kina Faso ja ein Land, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, wo Kina Faso ja ein Land, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im

00:06:14: Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, im Jahr ist, Ich kann mich sehr gut noch erinnern, dass ich in der größten Moschee von Burkina gewesen bin, in Bobodio Lasso, wo eben der oberste Imam, der vor allen Dingen auch immer damals noch mit Cardinal Uidraogo und dem König von Ghana, der für indigene Völker dann eben auch so das Oberhaupt ist, die immer miteinander versucht haben, wenn irgendwo irgendwelche Dinge passiert sind, Anschläge.

00:06:49: die Bevölkerung zum Frieden aufzurufen, in einem Miteinander.

00:06:53: Und dort hat mir dieser oberste Imam dann in Bobo de Lasso auch noch einmal gesagt gehabt, wir legen sehr großen Wert darauf, dass unsere Imame im Lande ausgebildet werden und nicht in Saudi-Arabien oder anderen Ländern.

00:07:08: Und das ist jetzt nicht mehr der Fall.

00:07:11: Und von daher kommen dann eben auch zunehmend Einflüsse von außen und die werden dann auch in die Dörfer und die Familien hineingetragen.

00:07:19: Ich erinnere mich damals waren es ja vor allem Leute, die aus den Nachbarländern, also... Islamisten, die sich aus den Nachbarländern zurückgezogen haben, weil sie dort verfolgt wurden.

00:07:30: Die haben dann versucht, in Burkina Faso zu sein und haben da ihren Wesen weitergetrieben, oder?

00:07:35: Ja, das ist so, dass also Burkina Faso ja Teil ist dieser Region Westafrika oder Sahel und eigentlich die angrenzenden Länder, also wie Sie schon sagen, Niger oder auch Mali, zunehmend auch der Norden von Cameroon und Benin, betroffen ist von dieser ... Relativ gut organisierten Gruppe, also da haben sich mehrere islamistische Terrorgruppen zusammengeschlossen, die so mit der Al-Qaida in Verbindung stehen und diese abgekürzte J-N-I-M-J-NIM wird die oft ausgesprochen.

00:08:09: Ich weiß jetzt gerade nicht, das ist so eine arabische Ausformulierung, das heißt so irgendwie... heiliger Krieg, islamischer Staat und so weiter.

00:08:18: Und die sind eigentlich grenzübergreifend aktiv und gerade eben in den Regionen, die man in einem Land wie Burkina Faso auch außerhalb der großen Städte hat, also wo es kleine Dörfer gibt, wo die Leute so von der Landwirtschaft, von der Vieh-Zucht, Viehhaltung leben, sind die sehr, sehr gut vernetzt und verbreiten Angst und Schrecken, kann man sagen, bis hin in die Familien hinein.

00:08:44: Es ist eine Sache, die schon vor einigen Jahren begonnen hat, auch als wir in unseren ersten Reisen waren, war das schon akut.

00:08:51: Ich habe das auch präsent, dass man immer so auf die Landkarte geschaut hat, wo ist die Sonne Rouge auf Französisch, also die rote Zone, wo darf man nicht hinreisen, weil es wirklich eine ernste Reisewarnung gab, auch von den Lokalen.

00:09:05: Behörden und von den Kirchenleuten.

00:09:07: und diese rote Zone, die hat sich so im Lauf der Jahre eigentlich immer weiter erstreckt.

00:09:12: Und ich glaube, wenn man heute drauf schaut, sie wissen es sicher genauer, dann ist das ganze Land inzwischen rot eingefärbt.

00:09:19: Also vom Dunkelrot im Norden angefangen hat sich das wirklich orange ausgebreitet und ist jetzt rot überall.

00:09:26: Aber was ich halt gerade so spannend fand, war das, was Sie gesagt haben, Monsignor, dass die Imame jetzt nicht mehr im Land ausgebildet werden, sondern in Saudi Arabien.

00:09:35: Nicht

00:09:35: mehr nur, sondern es werden auch einige in Saudi-Arabien ausgebildet und das scheint wohl für die Leute im Land auch ein großes Problem zu sein.

00:09:44: Sie haben damals immer gesagt, wir sind zuerst Burkina Bay.

00:09:49: Das heißt, wir gehören zu diesem Volk und wir sind ein Volk der aufrechten Menschen.

00:09:54: Genau, das war ja die Übersetzung und das Burkina B ist in der Landesstrache heißt, wir sind die Leute aus Burkina.

00:10:00: Genau,

00:10:00: genau.

00:10:01: Und das ist die Übersetzung dazu und so haben sie sich eigentlich immer auch als ein Volk verstanden miteinander und die Religion sozusagen als ein zweitrangiges gesehen.

00:10:13: Es gibt viele Familien auch von den Bischöfen dort, wo eben Brüder Muslime sind und miteinander vermischt.

00:10:21: Also ich war dort auch bei einer Familie zu Gast einen Tag lang, wo der Vater Muslim ist und die Mutter Katholikin.

00:10:30: Und die haben fünf Kinder, drei Mädchen und zwei Buben.

00:10:35: Und die drei Mädchen sind mit dem Vater ganz lustig eigentlich auch in die Moschee gegangen.

00:10:40: Und die beiden Buben sind mit der Mutter in die katholische Kirche gegangen und haben dort ministriert.

00:10:46: Und das ist miteinander gegangen.

00:10:47: Das war

00:10:47: jetzt heuer oder beziehungsweise ein Witz?

00:10:49: Nein, sondern jetzt war es seit dem Jahr.

00:10:52: Ich denke, das ist auch immer noch so.

00:10:53: Also die Dinge, die sind relativ stark auch gewachsen im Laufe der Jahrhunderte, kann man sagen.

00:10:58: Also diese Verbindung zwischen den Religionen, so im Alltag.

00:11:01: Das ist auch das, was das Land immer noch aufrechterhält.

00:11:05: Oder wenn man dann auch hinschaut, wer sind denn die Betroffenen von Terrorangriffen?

00:11:10: Das geht dann genauso über die Religionsgrenzen hinweg.

00:11:13: Da war jetzt vor einem Jahr im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August, im August.

00:11:39: Unterscheidung gemacht nach den Religionen.

00:11:41: Natürlich gibt es andere Fälle, dass zum Beispiel damals, weil du es erwähnt hast, Brigitte, dass wir damals auch schon mit Überlebenden gesprochen hatten, die während der Feier im Gottesdienst angegriffen wurden, wo die der Kirchenchor gesungen hat und dann kamen die mit ihren Motorrädern und haben alles niedergeschossen.

00:11:58: Dann gibt es Fälle, dass ein Bus überfallen wird und dann wird selektiert, wer ist Christ und wer ist Muslim, die einen links, die anderen rechts und dann werden die einen umgebracht und die anderen... dürfen überleben.

00:12:09: Also furchtbare Dinge, auch wenn ihr jetzt zuhört und ihr findet es zu grausam, wir wollen nicht zu sehr in die Details gehen, aber wir wollen nur zeigen, in welcher Situation die Leute in Burkina Faso leben und letztlich sie auch hingereist sind, weil wenn man sagt, es wird um eine Solidaritätsreise gebeten, wie sie es gesagt haben, dann sieht man auch, wie dringend dieses Anliegen ist und wie wichtig auch zu sehen, dass die Menschen dort erfahren, sie sind nicht alleine und es kommt jemand aus Europa.

00:12:37: Schaut auch mal hin.

00:12:38: Wie geht es euch vor Ort?

00:12:40: Und da kann man vielleicht auch noch ein klein wenig ergänzen, was Sie vorhin gesagt haben, diese Sonnenrush, die ist nicht mehr territorial ausgewiesen, wo man sagt, also das sind jetzt die Territorien, sondern die Terroristen.

00:12:53: sind auch in der Hauptstadt Uraga-Dugo zum Beispiel auch präsent.

00:12:58: Und das macht es ein klein wenig schwierig auch für das alltägliche Leben, wie ich es jetzt auch wahrgenommen habe.

00:13:05: Also es gibt ja ganz erhöhte Sicherheitsmaßnahmen und alles das.

00:13:09: Und das macht den Leuten schon auch ein bisschen Angst und man sieht, dass das etwas ist, was das Zusammenleben auch stört.

00:13:16: Weil ich immer wieder Sorge habe, es könnte ja doch vielleicht in dem Koffer etwas drin sein, was vielleicht dann irgendwann einmal explodiert.

00:13:23: Deswegen sind wir auch dauernd kontrolliert worden, wenn man über Land gefahren ist.

00:13:27: Was ich jetzt gerade von dem, was Sie beide erzählt haben, mitgenommen habe ist, im Prinzip ist der Islam in Burkina Faso ein friedlicher Islam und es kommen Terroristen von außen.

00:13:37: Vielleicht ist es auch nochmal ganz wichtig, das zu differenzieren zwischen Islamismus und Islam, oder wie haben Sie das empfunden jetzt bei der Reise?

00:13:46: Also das, denke ich, ist ganz, ganz wichtig bei all den Dingen dann eben auch immer zu differenzieren.

00:13:53: Während für die Leute jetzt vor Ort der Islamismus und die extreme Form, also der Terroristen, eher präsent ist als, sage ich jetzt einmal, die religiöse Ausübung des Glaubens gemäß den islamischen Regeln, also der friedvolle Islam, das ist nicht mehr so präsent wie derjenige, der eben auch mit schihadistischen Methoden beansprucht, dort auch Territorien, Länder oder vielleicht sogar die Staatsform zu ändern.

00:14:26: Was ist denn da überhaupt los?

00:14:27: Ich habe mal versucht, das auf Wikipedia so ein bisschen auf die Kette zu kriegen und habe nur immer Putsch und Gegenputsch und der alte Präsident ist noch mal wieder zurückgekommen.

00:14:36: Was ist denn da in diesen letzten Jahren passiert?

00:14:39: Ja, ich denke, das ist ganz wichtig, dass wir da drauf schauen, weil das ist schon im Wesentlichen eine neue Zeitrechnung, die da begonnen hat.

00:14:49: Nicht nur in Burkina Faso, sondern in Westafrika allgemein haben jetzt im Lauf der letzten gar nicht mal so viele in Jahren, drei, vier, fünf Jahre mehrere Militärherrscher die Macht übernommen.

00:14:59: Also das hat erst mal nichts mit Islamismus und Terrorismus zu tun im Gegenteil.

00:15:05: Es war eher so, dass Kräfte der Armee an die Macht gekommen sind.

00:15:10: vor dem Hintergrund, dass gesagt wurde, die bisherigen Regierungen schaffen, ist nicht ausreichend uns zu schützen vor dem Islamismus, vor den Terroristen.

00:15:20: Wir wollen jetzt das starke Herrscher an die Macht kommen und uns davor schützen.

00:15:27: Und damit verbunden ist so eine Art Abwendung von der bisherigen Kolonialmacht Frankreich zu sehen.

00:15:35: Also bisher war ja in Westafrika Frankreich immer noch die größte Macht, die größten Verbündeten aus Europa haben sich da auch immer noch Einflussbereiche gesichert, konnte man auch zu Recht sehr, sehr viel kritisieren.

00:15:51: Und es gibt so eine neue Bewegung in Westafrika jetzt gerade.

00:15:55: die sich bewusst rhetorisch öffentlich davon abwendet.

00:15:59: Und auch mit konkreten Maßnahmen, das zum Beispiel in mehreren Ländern Mali, Niga und besonders auch Burkina Faso gesagt wurde, wir wollen keine französischen Soldaten mehr bei uns haben.

00:16:11: Und in Burkina Faso ist es jetzt eben so, dass seit Jahrzehntausendzweiundzwanzig dieser General Ibrahim Traore an der Macht ist.

00:16:20: Der ist noch relativ jung, ich glaube, siebenunddreißig, achtunddreißig.

00:16:25: Und man ehrlicherweise sagen muss, dass... der sehr beliebt zu sein scheint in der Bevölkerung.

00:16:30: Also dieses Auftreten selbstbewusst.

00:16:32: Wir suchen uns unseren eigenen Partner.

00:16:34: Wir wenden uns ab von unserer einstigen Kolonialmacht.

00:16:38: Und wir sind diejenigen, die jetzt diese Terroristen auch bekämpfen werden.

00:16:41: Das kommt erst mal sehr, sehr gut an bei vielen Menschen.

00:16:44: Und gerade dieser Ibrahim Traoré, der tritt auch mit so einem roten Barrett und Tarnkleidung, also sehr militaristisch und energisch auch.

00:16:55: Und ja, wie ich sage, Es kommt erst mal gerade auch bei jüngeren Leuten sehr, sehr gut an, dass da jetzt ein neues Selbstbewusstsein da ist.

00:17:02: Und das, denke ich, muss man auch erst mal ernst nehmen.

00:17:05: Ich bin neugierig zu hören, ob Sie es vielleicht auch auf der Reise so ein bisschen mitbekommen haben.

00:17:10: Ich habe auch ein paar Quellen, weiß ich, auch von unseren Partnern, wie die Kirche da so damit umzugehen versucht, weil wir aus unserer Sicht natürlich gleich mal sagen, wir sind demokratisch geprägt und einen Militärregime finden wir erst mal nicht so gut.

00:17:24: auch diese Abwendung von Europa weg und hin zu neuen Partnern Russland, China und so

00:17:29: weiter.

00:17:29: Genau, das war das, was ich auch noch gefunden hatte, dass Großeliter jetzt irgendwie seine Finger im Spiel hat, was ja meistens nichts Gutes hat.

00:17:36: Ich

00:17:36: denke, dass es auch eigentlich eine große Mixtur ist.

00:17:40: Auch die vielen jungen Leute, die eben Ausbildung suchen, die vielleicht auch Jobs suchen und alles das unter den vorhergehenden Herrschern in Anführungszeichen oder den demokratischen Formen, die dort da gewesen sind, nicht gefunden haben.

00:17:58: Und das machen sich jetzt auch in vielen der Ländern, dort Westafrika, Malige gehört auch dazu, zum Beispiel Niga und so, die zu eignen.

00:18:08: Die jungen Leute sagen, es geht uns jetzt besser als zu der Zeit, als die Demokratie, die Staatsform war.

00:18:16: Und das muss man zuerst einmal zur Kenntnis nehmen und mit dem westlichen Blick dann zu kommen und zu sagen, naja, warum gibt es dort diesen Blick auch vielleicht nach Russland oder nach China?

00:18:31: Hauptsächlich geht es dort im Westafrika eher nach Russland, weil die eben auch geholfen haben.

00:18:38: Natürlich durchaus auch kann man sehr kritisch sehen, mit militärischen Mitteln die alte Staatsform zu beseitigen und den Militärsan die Macht zu helfen.

00:18:48: Aber die Leute vor Ort sagen, das sind jetzt die, die momentan dann auch uns helfen, dass wir ein klein wenig besser geschützt sind, dass wir vielleicht auch bessere Ausbildungschancen haben, dass wir die Möglichkeit haben, auch hier unsere Familien zu gründen und vor Ort dann eben auch leben zu können.

00:19:07: Das ist einmal eine Tatsache, die auch jetzt, ich an den verschiedensten Stellen dort erlebt habe, ich bin mit Studentinnen und Studenten, mit anderen Leuten dort unterwegs gewesen, die das durchaus auch so sehen.

00:19:21: Eine kritischere Stimme dazu dann auch immer wieder mal von den Bischöfen und der Bischofskonferenz, die sagen, was die Anschläge oder andere Dinge betrifft, dass sie sagen, dass dort keine offene Kommunikation von Startseite stattfindet, weil wenn ... Das müssen

00:19:39: Sie mal kurz erklären, ja?

00:19:41: Ja, also ... wenn ein Anschlag in einem Dorf stattfindet, dass dies totgeschwiegen wird.

00:19:48: Von der Seite der Regierung, weil sie nicht möchten, dass das Bild entsteht, sie haben die Lage im Land nicht im Griff.

00:19:57: Also

00:19:57: das haben die Bischöfe bei Versammlung auch sehr, sehr deutlich dann auch gesagt.

00:20:03: Und da gibt es schon auch immer wieder sehr, sehr kritische Aussagen.

00:20:09: Allerdings muss man auch sagen, dass sie durchaus auch nicht unbeobachtet leben.

00:20:14: Die Beschiffskonferenz.

00:20:16: Die Beschiffskonferenz selber dürften keine Medien zugelassen werden.

00:20:22: Nur dann hinterher.

00:20:23: Wir mussten alle vorher unsere Händis auch abgeben, damit eben dort wirklich auch frei geredet werden kann und miteinander sich unterhalten werden kann.

00:20:32: Auf Wissen heißt, haben Sie die Händis abgegeben?

00:20:34: Der Bischofskonferenz?

00:20:35: Der

00:20:35: Bischofskonferenz selber.

00:20:36: Damit niemand mit schneiden kann und sagen kann,

00:20:38: hey, was hat er gesagt?

00:20:40: Es gab einen offiziellen zugelassenen, den Presse-Sprecher, der Bischofskonferenz, der dann auch Aufnahmen gemacht hat.

00:20:48: Und dann haben Sie gesagt, Das kann veröffentlicht werden und das soll jetzt eben eine Diskussion sein, die wir miteinander führen und wo wir uns ein Bild machen.

00:20:56: Also es heißt schon, dass eben auch nicht ganz frei über bestimmte Dinge dann beraten werden kann.

00:21:03: Aber Sie können ja jetzt frei sprechen.

00:21:05: Worüber würde denn gesprochen?

00:21:08: Es wurde natürlich über die Situation im Lande gesprochen.

00:21:13: Es wurde über die Situation gesprochen von verschiedenen Vereinen, die teilweise nicht zugänglich sind.

00:21:22: Was

00:21:22: heißt nicht zugänglich?

00:21:24: Die Bischöfe können nicht hin, weil die kontrolliert werden von Terroristischen Gruppen, der Weg dorthin manchmal oder auch das ganze Dorf, wo die Flüchtlinge dann eben auch in die anderen Dörfer dann die christlichen Flüchtlinge dann meistens in die anderen Dörfer gekommen sind, wo sie in den Pfarreien aufgenommen worden sind, über solche Dinge, welche Hilfsmaßnahmen man dort Integrationsmaßnahmen dann gemacht werden können.

00:21:52: Was bedeutet das vielleicht auch für manche Priester oder Ordensleute, die manchmal auch noch dort geblieben sind, die aber nicht mehr heraus können, wo man dann schaut, wie kann man dort einen Kontakt vielleicht herstellen oder so?

00:22:06: Das sind so Dinge, die dort eben momentan auch auf der Tagesordnung stehen.

00:22:10: Und dann natürlich auch die Frage Jugend und junge Leute, wie können wir helfen, dass die eine Lebensperspektive hier haben in unserem Land?

00:22:20: Aber haben Sie doch, haben Sie mir erzählt, wenn man die ... Also jetzt mal wirklich böse gesagt, wenn man die Überfälle außer Acht lässt, haben die jungen Leute eine bessere Perspektive als vorher.

00:22:29: Das kriege ich noch nicht so ganz auf die Kette.

00:22:30: Das kriege ich noch nicht ganz zusammen.

00:22:32: Es gibt einige, die von sich sagen, also dass wir jetzt im Augenblick, dass es uns besser geht als vorher.

00:22:41: Und da ist die Frage, wie lange das anhält.

00:22:45: Weil einige von den Bischöfen und auch von den Pfarrern und den Ordensleuten vor Ort mit denen man gesprochen hat, die schon durchaus auch sehen, dass dort vielleicht, um es wieder mal ganz simpel zu sagen, durchaus Geldgeschenke für den Augenblick da sind und die aber nichts weiterführen, weil das Wohl der Menschen tatsächlich im Blick ist.

00:23:06: Weil es halt nicht nachhaltig ist, wenn man Geldgeschenke macht,

00:23:08: dann bringt

00:23:09: es nichts.

00:23:10: Also um es vielleicht ganz einfach auszudrücken.

00:23:14: Leute bei Laune zu halten und ihnen jetzt momentan das Gefühl zu geben, es geht euch besser.

00:23:19: Und das kommt an im Augenblick, aber wie geht es weiter?

00:23:22: Das gibt dir keinen Job und keine Perspektive.

00:23:25: Genau.

00:23:25: Ich finde das hoch interessant, wie Sie das beschreiben, dass Sie dort sozusagen hinter den Kulissen mitgehört haben, was gesprochen wird und gesprochen wurde, gerade auch weil ich selber versucht habe, nachzulesen und nachzuhören, wie ist denn das Verhältnis der Kirche jetzt zu diesen neuen Militärmachthabern.

00:23:43: und Ich habe mich so ein bisschen gewundert, weil ich habe eine Stellungnahme gelesen, die es so ungefähr ein Jahr alt, die der Vorsitzende der Bischofskonferenz gegeben hat von Burkina Faso, den wir auch gut kennen, den habe ich auch schon getroffen.

00:23:57: Da hatten die einen Besuch.

00:23:58: bekommen von oberen Ministern aus der Regierung und nachher gesagt ja also das Verhältnis ist sehr gut zu den neuen Führern und die Kirche wird anerkannt und auch und gerade unser Engagement im sozialen und dann wird auch aufgelistet.

00:24:14: was erwartet die neue Regierung von uns?

00:24:16: dass wir gemeinsam gegen den Terror vorgehen dass wir mit einer Stimme sprechen.

00:24:22: und ich habe daraus schon irgendwie so ein bisschen raus gelesen das ist halt schon sehr diplomatisch formuliert Und ich habe mich, wie gesagt, ein bisschen gewundert.

00:24:30: Und jetzt, wo Sie das erzählen, wird mir das erst klar, dass die ja auch unter einem gewaltigen Druck stehen und sich genau überlegen, wie positionieren die sich öffentlich.

00:24:39: weil natürlich so ein Militärischieben auch sehr viel Handhabe hat.

00:24:44: Es können Leute einfach verschwinden oder eingesperrt werden, die zu weit den Kopf rausstrecken oder zu kritisch umgehen mit den Entwicklungen.

00:24:52: Und gleichzeitig ist aber die Kirche ja immer nahe dran an den Realitäten.

00:24:57: Also die kriegen ja ganz schnell mit.

00:24:58: Wie Sie sagen, geht es jetzt den jungen Leuten besser?

00:25:00: Ja oder nein?

00:25:01: Die einen sagen vielleicht erstmal schon, aber sobald das nicht mehr der Fall ist, kriegt man das ja als erstes mit in dem Dorf, wo der Pfarrer ist.

00:25:08: die Leute sofort und sagen, kannst du uns helfen?

00:25:11: Wir haben kein Geld mehr für unsere Kinder und so weiter und so weiter.

00:25:15: Also ich denke, das ist gerade eine hoch sensible Phase.

00:25:19: die jetzt auch da die Kirchenleute gerade durchmachen.

00:25:22: Wir aus unserer Sicht wünschen uns dann manchmal gleich vielleicht auch stärkere Stimmen zu hören.

00:25:28: Aber ich glaube, das ist gar nicht so einfach.

00:25:30: Und wenn Sie auch sagen, Medien werden streng kontrolliert.

00:25:34: Es gibt auch ein Dokufilm bei Arte, der jetzt vor kurzem gelaufen ist, wo es auch darum geht, wie kann man journalistisch zur Zeit in Burkina Faso arbeiten?

00:25:42: Und da wird schon auch sehr schnell klar.

00:25:45: dass da sehr stark kontrolliert wird, welche Artberichte erscheinen zurzeit, was möchte die Regierung veröffentlicht wissen und was eben nicht.

00:25:53: Also das ist schon nicht so einfach zurzeit.

00:25:57: Ich glaube, es ist auch noch einmal, wenn man es auf die kirchliche Ebene noch einmal auch absieht, denke ich, es ist auch in Burkina Faso momentan ein kleiner Umbruch da.

00:26:06: Kardinal Uedraugo ist in den Ruhestand gegangen, war eine wichtige Person, nicht nur in Burkina Faso, sondern in Gesamtafrika, auch der Sekam und so.

00:26:17: Und es gibt einen neuen Erzbischof von Ouagadougou und einige andere auch.

00:26:22: Der neue Erzbischof von Bobodilasso.

00:26:25: Das sind alles Leute, die, denke ich, jetzt erst einmal auch Fuß fassen müssen, um dann eben auch bestimmte Dinge durchführen zu können.

00:26:34: Sie haben, glaube ich, noch nicht den Stand.

00:26:37: Und deswegen, glaube ich, kam auch das Ansinnen zu sagen, bitte kommen, dass jemand aus Europa da ist, dass die Leute sehen, wir sind ein Teil dieser weltweiten Kirche und sind jetzt nicht nur auf die politischen Interessen, die im Lande herrschen, fixiert.

00:26:55: Und das glaube ich ist schon noch einmal ein ganz, ganz, ganz, ganz wichtiges Moment.

00:26:59: Und da kam auch bei der Bischofskonferenz, habe ich dann einmal gefragt, Burkina Faso hat jetzt im Moment keinen Kardinal.

00:27:08: Ihr wartet doch jetzt wahrscheinlich drauf, dass man vielleicht hoffentlich in nächster Zeit einen ernennen wird.

00:27:14: und dann haben sie gesagt, das wäre gut für das Land.

00:27:17: Dann war die Anfrage für diesen Solidaritätsbesuch, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, auch so gedacht, dass man innerhalb des Landes sagen kann, hey, schaut mal, es gibt Europäer, die haben uns im Blick.

00:27:29: Ja.

00:27:30: Okay.

00:27:31: Und wir machen es jetzt umgekehrt und erklären unseren Hörerinnen und Hörern.

00:27:34: wie es in Burkina Faso aussieht.

00:27:37: Das war jetzt gar nicht mal der wichtigste Aspekt, aber das machen wir auch gerne.

00:27:40: Ja, das ist schön.

00:27:42: Ich finde das interessant, dass man eben sagen kann, wie ich eingangs gesagt habe, diese Abwendung von Europa, die da zu beobachten ist, das ist eben bei der Kirche ein bisschen anders, weil wir uns eben als weltweite Gemeinschaft verstehen.

00:27:56: Und da kann man eben nicht so leicht sagen, ich bin jetzt der neue Militärherrscher, ich werfe die jetzt alle raus, weil diese Vernetzung, die ist einfach stark und tragfähig.

00:28:04: und das noch mal zu zeigen, das glaube ich ist schon ganz gut, um eben auch im Land selber dann eine starke Position zu haben.

00:28:11: Nicht umsonst ist es so, das will ich vielleicht kurz, wenn ich zu weit wegschweife, dann sagst du es uns, bitte bitte.

00:28:19: Aber nicht umsonst ist es so, dass der neue Machthaber Ibrahim Tauré, der wird ja so im Internet gefeiert als hält so der westafrikanischen welt und nicht umsonst ist es so dass da auch so getan wird als hätte der auch die unterstützung der kirche.

00:28:36: also ich habe zum beispiel gesehen es gibt ein video wo der neue papst leo der vierzehnte eine six und dreißig minütige ansprache hält und diesen general trauré lobt für seine arbeit.

00:28:48: kurz gesagt aber das ist eine fälschung Es ist eine KI-Fälschung, wo die Stimme vom Papst so nachgemacht wird.

00:28:56: Und wenn man jetzt nicht genau aufpasst, dann könnte man das für echt halten.

00:29:00: Ja

00:29:00: klar, da kennt sich ja kein Mensch aus hier.

00:29:01: Es ist

00:29:02: tatsächlich nicht echt, aber es scheint eben gewissen Leuten wichtig zu sein, so zu tun, als hätte diese Regierung auch den Segen der Kirche sozusagen.

00:29:11: Wie hoch ist der Anteil der Christen in Burkina Faso?

00:29:14: Was hast du für jemand?

00:29:16: Ich glaube, dass ungefähr, es kommt immer auf die Regierung konkret an, aber so im Ganzen Land glaube ich, sind es um die sechzig Prozent Muslime und zwanzig Prozent ungefähr Katholiken und dann eben auch einen starken Anteil traditioneller Religionen, aber es gibt Unterschiede in den Regionen.

00:29:33: Ich hätte

00:29:33: jetzt gesagt, so sechzehn Prozent eher, aber bei den Christen in die Richtung.

00:29:39: Ja

00:29:40: genau, dann ist die zwanzig Prozent wahrscheinlich bis zu hoch.

00:29:44: Oder sind sie weniger geworden?

00:29:46: Und wie Sie sagen, ist es auch so, dass sehr viele so wechselnde Identitäten haben.

00:29:51: Also man ist als Christ geworden, man kann muslim werden, man kann auch wieder zurück wechseln durch die Heirat zum Beispiel oder durch Geburt und Glaubenswechsel.

00:30:00: Das ist dann einfacher möglich als in anderen Ländern.

00:30:03: Ich

00:30:03: wollte gerade fragen, also rein theologisch ist es total schwierig zu wechseln, oder?

00:30:07: Zwischen den meinen Religionen.

00:30:09: Von unserer Seite aus jetzt eigentlich eher nicht.

00:30:12: Von muslimischer Seite aus ist es sehr schwierig eigentlich.

00:30:15: Ja.

00:30:15: Also einmal getauft ist man ja immer Christ

00:30:18: und

00:30:18: einmal Muslim, ich weiß

00:30:20: nicht, ob ich bekennt ist.

00:30:21: Ja, vor allem aus dem Bekenntnis dann herauszukommen, das kann schon große Schwierigkeiten bereiten.

00:30:27: Also ist Ginge, aber es ist dann schon oft einmal mit dem Stempel versehen, das ist ein Verräter oder Verräterin.

00:30:38: Also gerade eben auch bei Frauen, weil das dann häufig dann eben vielleicht auch mit kleinen Freiheitsmomenten zusammenhängt, die sie genießen wollen oder so.

00:30:48: Das kann dann oft einmal schon auch zu Schwierigkeiten führen, dass die Geschwister darauf achten, dass die Mädchen ja nicht christlichen Bereich unterwegs sind, weil das dann vielleicht zu viele Freiheiten gibt.

00:31:00: Ist ja auch interessant bei der Familie, bei der sie waren.

00:31:02: Die Mädchen sind mit in die Moschee gegangen und die Söhne sind mit in die Kirche gegangen.

00:31:09: Das ist glaube ich schon auch nochmal spannend gewesen, weil sie mir dann auch noch einmal erzählt haben, die beiden, also die Eltern, wie sie dann ihre Hochzeit gestaltet haben.

00:31:20: Es war in einer katholischen Kirche zunächst einmal der Gottesdienst.

00:31:25: geht nach katholischem Ritusjahr, das mit Christian, mit einem Nichtchrist, die Trauung feiert, ist sogar dann auch sacramental.

00:31:33: Und dann mussten die noch einmal auch in das Dorf fahren, wo er herkommt, um dort im muslimischen Ritus auch noch einmal eine Feier zu halten, damit auch im muslimischen Teil der Familie das Ganze als eine Ehe und eine Partnerschaft anerkannt wird.

00:31:51: Aber es scheint uns zu gehen, wenn man sich bemüht.

00:31:54: Genau.

00:31:55: Sie haben ein bisschen schon angedeutet, wie sich das Leben verändert hat.

00:31:58: Das es ständig Sicherheitsvorkehrungen gab und so weiter.

00:32:01: Wie war das denn bei dieser Wischofskonferenz?

00:32:03: Wo haben Sie denn da gespürt, dass sich da was verändert hat?

00:32:06: Bei der Bischofskonferenz, also das eben gleich zu Beginn die Anordnung kam, sie müssen alle ihre Handys abgeben.

00:32:14: Ich fand es dann spannend, dass gerade die Beratungen, die man sonst eigentlich in früheren Zeiten ganz frei miteinander gehalten hat, dass die jetzt dann mit eben auch dem jeweiligen Verweis manchmal, ich möchte nicht genannt werden, und solchen Dingen dann durchaus auch passiert sind.

00:32:34: Solchen Konferenzen spricht man ja mal beim Kaffee auch ein bisschen privater mit den Menschen.

00:32:40: Was haben Sie dafür geschichten gehört?

00:32:43: Ja, da hat man daneben auch gehört, dass die einzelnen Bischöfe versucht haben, Kontakte zu knüpfen mit anderen.

00:32:51: wo jetzt eben gerade in den Gebieten, wo sie unterwegs sind, jihadistische Gruppen, das Territorium beanspruchen, dass man dort dann schon auch einmal erlebt, dass einem ein Fahrzeug nachfährt und ähnliche Dinge, dass dort also durchaus auch Gefährdungssituationen oder zumindest Situationen, wo vielleicht dem ein oder anderen manchmal Angst eingeflößt worden ist, auch existieren.

00:33:18: Aber ich fand es dann auch immer spannend und befreiend.

00:33:22: Und das ist, glaube ich, auch noch einmal etwas ganz spezifisch, was die Burkina Bay, die Bevölkerung so in sich trägt.

00:33:29: Sie haben es immer mit einem Humor getragen.

00:33:32: Also sie waren dann durchaus auch immer bereit zu scherzen über manche Dinge, der eine über den anderen und so.

00:33:38: Also das war dann auch ganz, ganz, ganz spannend, wo wir vielleicht eher sagen würden, also jetzt...

00:33:43: Vielleicht ein paar Liga

00:33:44: ratten würden.

00:33:44: Ja, ja, ja.

00:33:46: Ja, das ist diese... auch diese Plaisanterie, die so tief verwurzelt ist, diese Scherzbeziehungen.

00:33:52: Es gibt ja auch wissenschaftliche Forschung dazu, also in Westafrika, dass die eine Volksgruppe über die anderen einfach immer ihre Witze reißt, ohne dass man beleidigt ist.

00:34:02: Und so ist diese... Wir finden manche Sachen da heutzutage so ein bisschen nicht mehr aktuell, oder man sagt, man geht davon weg, dass man sich so über andere lustig macht.

00:34:16: Und da ist es aber so, dass das über Jahrhunderte gewachsen ist.

00:34:22: Wie Sie sagen, manche Konflikte kann man dadurch einfach mit einem Lachen schon entschärfen und dann sich einfach wieder neu unterhalten.

00:34:30: Aber insgesamt ist es natürlich wahnsinnig ernst, die Situation.

00:34:35: Also weil wir immer sagen, die Kirche ist in den kleinsten Dörfern und Pfarreien vor Ort präsent, aber da ist es eben so, dass viele Pfarreien aus Sicherheitsgründen geschlossen werden mussten.

00:34:47: Da stehen dann eben die Priesterhäuser oder die Ordenshäuser von Schwestern leer.

00:34:52: weil es einfach zu gefährlich ist und es ist ja auch vorgekommen, dass Priester schon entführt worden sind, getötet worden sind und so weiter.

00:34:58: Das ist also alles nicht... nicht so, dass es nicht ungefährlich ist.

00:35:03: Und es erfordert hohen Mut.

00:35:05: Und deswegen auch so eine Zusammenkunft, um sich gegenseitig wieder zu versichern.

00:35:09: Wir sind nicht alleine und halten uns gegenseitig da am Leben.

00:35:14: Ich bin ja selber auch im Jahr, im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im Jahr bei ... ... im ist immer, wenn man selber vor Ort ist, abhängig davon, was die Leute einem sagen und man fühlt sich eigentlich selten konkret unsicher.

00:35:37: Aber wenn man so im Laufe der Jahre das dann immer mal wieder hört, kann immer immer den Leuten auch sehr viel passieren, nicht jetzt uns als Besucher, sondern die, die jeden Tag dort sind.

00:35:47: Wobei es teilweise auch ein klein wenig Sorge gibt bei den Besuchern, dass die entführt werden könnten,

00:35:54: um

00:35:54: dann Lösegeld oder andere Dinge zu pressen.

00:35:57: Also das gibt es durchaus auch.

00:36:01: Also es ist eine schwierige Situation vor Ort, aber da glaube ich ist auch immer wieder, also so habe ich jetzt auch erlebt, unser kirchliches Netzwerk, ein Schatz den wir haben, weil die Menschen schauen darauf, dass derjenige, der als Gast dort unterwegs ist, nicht dorthin kommt, wo es brutal gefährlich ist und an den anderen Orten.

00:36:23: dass man dann auch schaut, dass er geschützt wird.

00:36:25: Also das ist schon, glaube ich, so da, was einem persönlich dann auch noch einmal eine gute Sicherheit gibt.

00:36:32: Und ich denke immer, die Missionäre in früheren Zeiten sind in viel gefährlicheren Situationen unterwegs gewesen.

00:36:37: Von daher, glaube ich, ist wirklich auch jetzt eine solche Möglichkeit und ich bin sehr, sehr dankbar.

00:36:44: gewesen für diesen Solidaritätsbesuch.

00:36:46: und man hat auch gespürt überall in den Dörfern oder eben bei der Bischofskonferenz oder bei den Treffen mit den Studentinnen, dass die dankbar waren, dass jemand sie wahrnimmt und dass jemand mit ihnen über die Sorgen, Ängste, Nöte und Freude, die sie haben, dann auch spricht und die miteinander teilt.

00:37:05: und wir haben auch gefeiert.

00:37:06: Also so ist es nicht.

00:37:08: Also die kirchlichen Partnerinnen und Partner haben einfach auf dem Schirm, was man gerade machen kann und was man nicht machen kann.

00:37:14: Und deswegen sind sie relativ sicher unterwegs, weil die einfach Dones und Downs gerade kennen.

00:37:19: Gab es ein paar Sachen, die sie nicht machen konnten, die sie bei ihrem vorherigen Besuch gemacht haben?

00:37:24: Ja, zum Beispiel in Vater Gurma die Goldmähnen zu besuchen, das war eben nicht möglich, aber wir haben es natürlich von vornherein dann eben auch schon nicht gemacht.

00:37:35: Also weil dort eben...

00:37:36: Also Sie hatten angefragt, ob man dort hin kann, weil Sie sich gerne gesehen hätten nochmal...

00:37:39: Genau, ob man dort dann auch noch einmal... Also wir haben das Programm, sag ich jetzt einmal so, dann sehr sehr eng eben auch mit den Leuten vor Ort dann abgestimmt.

00:37:49: Es geht ja auch immer darum, man soll ja auch... die Gastgeber nicht in Bedrängnis bringen.

00:37:55: Das könnte ja durchaus für sie dann schwierig werden, wenn ich sage, dort möchte ich unbedingt hin und möchte dort vielleicht ein kritisches Statement abgeben dazu zur Situation.

00:38:06: Das könnte die Gastgeber durchaus in große Kalamitäten stürzen und das darf auf gar keinen Fall sein.

00:38:13: Dann hat der Solidaritätsbesuch nämlich sein Sinn verloren.

00:38:18: Die Goldminen, da gibt es Projektpartner, die sie gerne besucht hätten oder wo sie im Vorfeld der Reise überlegt haben, die würde ich ganz gerne mal wiedersehen und gucken, wie es denen mit der sich verändernden Situation geht.

00:38:29: So ist es genau.

00:38:30: Aber das war jetzt das dem Grunde, dass dort eben das Ganze kontrolliert wird von den extremistischen, jihadistischen Gruppen nicht möglich.

00:38:41: Das ist also so die große politische Lage in Burkina Faso.

00:38:45: Aber auch wenn es schwierig ist, missio lässt die Menschen ja nicht alleine.

00:38:48: Das haben sie gerade schon mehrfach angedeutet.

00:38:51: Sie sind nämlich auf ihrer Reise auch zu einem Projekt gefahren, das sie schon ganz lange unterstützen und haben dort den Grundstein für etwas Neues gelegt.

00:39:00: Aber davon erzählen wir in der nächsten Folge.

00:39:03: Mir fällt nur gerade auf.

00:39:04: Wir haben die drei Stichwörter am Anfang ganz vergessen.

00:39:07: Wollen Sie uns vielleicht neugierig machen und drei Stichwörter zu diesem Projekt und zu Ihrer Reise genau in dieses Projekt sagen?

00:39:16: Stichwörter.

00:39:17: Ja.

00:39:19: Also es war ein tolles Wiedersehen.

00:39:22: Nach wieviel Jahren?

00:39:23: Nach zwei Tausendsechzehn.

00:39:25: Neun Jahre.

00:39:25: Neun Jahre.

00:39:26: Zu erleben, dass dort junge Mädchen und dann auch später junge Frauen etwas für ihr Leben mitnehmen können, die jetzt selbstbewusst eben auch da sind.

00:39:38: aufrechte Menschen.

00:39:39: Und das Dritte war dann eben auch zu sehen, dass diese jungen Leute sich insbesondere auch für die Binnenflüchtlinge und die armen Speisung einsetzen.

00:39:50: Christian, hast du auch drei Begriffe für die nächste Folge?

00:39:53: Ich würde anknüpfen daran, was Monsignor beschrieben hat.

00:39:57: Grundsteinlegung ist ein wichtiger Begriff.

00:39:59: Also es wurden vor Jahren wichtige Grundsteine gelegt für eine Zukunft, deren dessen Entwicklung sie heute schon sehen konnten.

00:40:08: militärischer Begleitschutz ist ein wichtiger Begriff und ich bin da gespannt noch mehr zu hören, wie das wirklich vonstatten gegangen ist, wie sie da wirklich in dieses Gebiet haben reisen können.

00:40:19: Und ich finde den Namen Thomas Sankara noch ganz wichtig für Burkina Faso, weil dieses Land der aufrechten Menschen von ihm begründet wurde und der jetzige Macht habe auch stark an ihn anknüpft, auch die Kirchenleute.

00:40:32: ihn unterschiedlich sehen.

00:40:34: Ich kenne Partner von uns, die den gut finden.

00:40:36: Ich kenne auch welche, die kritisch sind.

00:40:38: Da sollte man vielleicht auch, falls es die Gelegenheit gibt, noch drüber sprechen.

00:40:42: Also, all diese Fragen oder all diese Stichwörter werden näher erläutert in der nächsten Folge.

00:40:48: Und die kommt nämlich raus am einundzwanzigsten Januar.

00:40:51: Bis dahin verabschieden wir uns.

00:40:54: Machen Sie es gut.

00:40:55: Ihr?

00:40:55: Christian Selbherr.

00:40:56: Danke fürs Zuhören.

00:40:57: Wolfgang Huber.

00:40:58: Und Brigitte Strauß.

00:41:01: Das war

00:41:02: Reisewarnung mit Missio München unterwegs in

00:41:04: Afrika, Asien und Ozeanien.

00:41:07: Ein Podcast

00:41:07: von Missio München

00:41:08: produziert

00:41:09: vom katholischen Medienhaus St.

00:41:10: Michaelsbud.

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